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Nachruf auf La Caricature

 

 

 

 

AN DIE ABONNENTEN DER CARICATURE

Nach vier Jahren und zehn Monaten ihres Bestehens unterliegt die Caricature einem Gesetz, das trotz des ausdrücklichen Artikels der wahrhaftigen Verfassung die Zensur wieder eingeführt hat:

DIE ZENSUR KANN NIEMALS WIEDER EINGEFÜHRT WERDEN

Um unsere Zeichenstifte zu zerbrechen, braucht es ein Gesetz eigens für uns, ein Gesetz, das das Werk finanziell unmöglich macht, welches wir trotz der zahllosen Beschlagnahmungen, der Verhaftungen ohne Grund, der erdrückenden Geldstrafen und trotz der langen Gefangenschaften fortführten.
Ja, wir haben uns gut gehalten!
Wir haben die Komödianten der fünf Jahre demaskiert, alle Abtrünnigen der Freiheit; wir haben sie an den Schandpfahl unserer Zeitung gestellt, wir haben ohne Mitleid ihre Porträts dem Volk, das sie ausbeuten, zum Lachen ausgeliefert. Sie können heute die Aufschriften zerbrechen, die unsere Gerechtigkeit an ihren Köpfen festnagelte, aber es wird ihnen nicht so leicht fallen, die Zeichen des Hasses, mit denen wir sie während fünf Jahren gebrandmarkt haben, auszuwischen oder vergessen zu machen.
Bei dem Urteilsspruch, den unsere Feinde heute über uns fällen, schauen wir ohne Furcht in die Zukunft. Alles, was wir geschrieben oder gezeichnet haben, das haben wir geglaubt, und es gibt niemanden auf der Welt, der unsere Aufrichtigkeit zu Recht bezweifeln könnte. Soviel zu unserer  Absicht. Nun zu den Fakten.
La Caricature besteht aus zehn Bänden, das ist die Geschichte unserer Zeit, geschrieben und graviert auf unsere Art. Um das zu machen, haben wir uns die Ereignisse nach vorgenommen, sie erzählt und gezeichnet mit der Inspiration des Volkes, für das wir auf eine gewisse Art nichts anderes als Sekretäre und Maler waren. Wir hielten den Spiegel, den alle Männer der Politik dieser glorreichen Epoche passierten. Unsere Kunst bestand nur darin, die Spiegelungen festzuhalten. Grandville, Daumier, Bouquet, Desperret, Forest, Traviès und Roubaud für die Zeichnungen, Louis Desnoyers, Altaroche, Albert Cler, B…y und Bergeron für den Text haben das Verdienst der Ausführung; mir blieb nur das der ersten Idee eines derartigen Werkes und einer Direktion, die durch die Freundschaft angenehm und leicht gemacht wurde.
Wir glauben, ein Buch zu hinterlassen, das von allen befragt werden wird, die über die ersten Jahre der Herrschaft Louis-Philippes schreiben werden oder sie studieren und genau kennen lernen wollen. Wenn wir uns nicht irren, wenn die Caricature die Zeiten, die sie wiedergeben wollte, überlebt, und das wäre nur wegen der Eigenschaft des Buches, originell, einzigartig und mehr oder weniger das erste seiner Art zu sein, werden wir uns über die Konfiszierung trösten, die uns die Früchte so vieler Arbeit, schlafloser Nächte und Befürchtungen raubt. CHARLES PHILIPON

Philipons programmatischer Nachruf auf die CARICATURE in ihrer letzten Ausgabe Nr. 251 vom 27.8.1835
 

 

 

 

 

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